Übrigens, was ich noch sagen wollte 

Das Grausen am Sonntagabend

Also, ehrlich, ich kann das nicht mehr: jeden Sonntag nach der Tagesschau Tatort-Gucken. Habe ich zugegebenermaßen jahrelang gemacht. Das kommt mir heute wie eine Jugendsünde vor. Denn was auf diesem prominenten Sendeplatz geboten wird, erfüllt mich mit Grausen. Das tut mir im wahrsten Sinne des Wortes körperlich weh. Diese Krimis von der Stange, mit viel Gebührenkohle lieblos zusammengeschustert, gehen mir so was von auf den Zwirn. 

„Ja, aber die Münsteraner sind gut. Die gucke ich gerne“, wendet Frau Gerstenmeier von nebenan ein, wenn ich mich mal wieder über das unterirdische Niveau der Tatort-Hanseln errege. Jessas! Die Münsteraner! Der arrogante Professor mit seinem „Ich-bin-was-Besseres“-Fimmel war am Anfang ja noch ganz lustig. Zumindest mal was anderes als der glupschäugige Derrick oder die Schnarchnase von einem „Alten“. Dazu noch ein zwergenhaftes Wesen als Assistentin und ein aufgesetzt schlecht gelaunter Kommissar mit St.-Pauli-Fetisch. Ein solch schräges Gespann kann man ja mal drei, vier oder gar fünf Folgen ertragen, wenn die Drehbücher was taugen. Aber spätestens danach ist die Sache ausgelutscht. 

Die größte Herausforderung für den kritischen Tatort-Zuschauer war immer Sabine Postel als Bremer Kommissarin. Die Dame hätte früher in beliebten Unterhaltungssendungen wie „Der Forellenhof“ mitspielen können, da wäre ihre vollständige Talentlosigkeit vielleicht nicht aufgefallen. Aber so eine unbedarfte Tante als Verbrecherjägerin? Ein echter Witz. Die Kommissarinnen belgischer Krimiserien wie „Coppers“ oder „Code 37“ sind wenigstens taffe Mädels mit leichten bis mittelschweren Neurosen. Die sehen halbwegs so aus, als könnten sie ein paar böse Buben zur Strecke bringen. Aber Sabine Postel? 

Fast ebenso schrecklich waren die Tatort-Auftritte von Simone Thomalla, die immer vergeblich versuchten, ihrer gelifteten Visage einen Hauch von Ausdruck zu verleihen. Wie furchtbar muss das erst für einen gestandenen Bühnenschauspieler wie Martin Wuttke sein, an der Seite einer solchen Schnepfe zu agieren. Da ist die Gage mehr Schmerzensgeld als alles andere. Aber gottlob sind die beiden Damen mittlerweile in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden. 

Die Eröffnungssequenzen der diversen, in allen möglichen Provinzstädten spielenden Tatort-Krimis – wieso muss man sowas in Weimar drehen? – gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Das hat man tausende Male gesehen: Die Ermittler kommen an den Tatort, ein Streifenpolizist hält das Absperrband hoch und der Gerichtsmediziner ist schon zu Gange, kann aber noch nicht viel sagen. Woraufhin der Kommissar ihn barsch dazu auffordert einen Gang zuzulegen, weil er die Untersuchungsergebnisse schnell braucht. Gähn, gähn, gähn. Nach zehn Minuten bin ich schon kurz vorm Einpennen. 

Selbst ein grandioser Mime wie Ulrich Tukur als schwer gestörter Kriminaler kann hanebüchene Tatort-Drehbücher nicht im Alleingang retten. Er hätte sich vermutlich einen Gefallen getan, wenn er stattdessen in seinem italienischen Exil in Venedig geblieben und eine Runde mit der Gondel gedreht hätte. 

Ich nehme ja nicht gerne den Satz „früher war alles besser“ in den Mund. Aber als Schimmi sich im Ruhrgebiet noch durch die Betten vögelte, rumprügelte und sich an kein Gesetz der Welt hielt, fielen mir die Augen komischerweise nie zu. Da ging wenigstens die Post ab. Und Manfred Krugs putzige Gesangseinlagen mit Charles Brauer im NDR-Tatort waren allein schon besser als drei Folgen mit der drögen Maria Furtwängler. 

Dass bei der sonntäglichen Mordparade nichts Gescheites mehr rumkommt, liegt unter anderem daran, dass mindestens 52-Tatort-Folgen pro Jahr im Ersten gesendet werden. Davon sind zwar etliche Wiederholungen, speziell im Sommer, aber auf die lange Laufzeit dieser TV-Reihe gesehen kommen da schon beeindruckende Zahlen zusammen. Da fällt selbst dem innovativsten Drehbuch-Schreiberling irgendwann nichts mehr ein. Ich könnte mir vorstellen, dass die Herrschaften einfach die Scripte früherer Folgen erneut einreichen. Dann wird aus dem ersten Tatort „Taxi nach Leipzig“ einfach „Ein Uber nach Bremerhaven“. Merkt keine Sau, weil die Klientel, die sich das Zeug anschaut, in der Regel zwischen 75 und scheintot ist. 

Langer Rede, kurzer Sinn: Tatort geht für mich gar nicht. Ne echt!

Die neue CD ist endlich da!!!

Wenn man das zwölf mal zwölf Zentimeter große Ding vor sich liegen hat, kann man sich als Außenstehender nur schwer vorstellen, wie viel Arbeit in solch einem Silberling steckt. Trotzdem habe ich es wieder geschafft, eine neue CD mit insgesamt zwölf Titeln aufzunehmen, von denen zehn aus meiner Feder stammen. Ich mache den Job ja schon seit Mitte der 1980er Jahre und habe einige Erfahrungen mit dem Texten, Komponieren und Aufnehmen von Liedern.

Diesmal habe ich mir richtig Zeit gelassen. Das letzte Studioalbum mit eigenen Liedern liegt sieben Jahre zurück, sieht man mal von der 2015 veröffentlichten Maxi-CD mit Wibbelstetz ab. Apropos Wibbelstetz: Die Band hat mich bei drei Stücken im Studio begleitet, unser Drummer Jürgen Schroeder war nahezu an allen Tracks beteiligt. Dafür danke ich den Jungs sehr.

Bei der ersten Aufnahmesession im März konnte ich leider nicht mein gewohntes Team an den Start bringen. Dennoch war das Ergebnis der Studioarbeit überragend, nicht zuletzt durch Wilhelm Geschwind am Bass und Rolf Krüger an den Gitarren, die dankenswerterweise kurzfristig eingesprungen waren. Herausragendes hat wieder mal Pete Haaser an Akkordeon und Klavier geleistet. Seine Licks sind einfach Weltklasse.

Das Album ist, so empfinde ich es jedenfalls, eine runde Sache geworden, auch weil Taato Gomez im fernen Wien ein paar geile Arrangements aus dem Hut gezaubert hat, von seinen wunderbaren Chören ganz zu schweigen. Großen Anteil am Gelingen des Unternehmens hatte auch Tonmeister Klaus Genuit. Seine Effektivität und Brillanz sind einfach unbezahlbar. Seit ich mit ihm zusammenarbeite, macht mir die Studioarbeit richtig Spaß. Der Bläsersatz mit den Topkräften Martin Frings, Richard Hellenthal und Uwe Berning hat noch das Sahnehäubchen obendrauf gesetzt.

Das neue Album ist sowohl von der Musik als auch von den Lyrics her ausgesprochen abwechslungsreich. Da wird etwa die Begegnung mit einem alten Schulfreund („Mensch, Charly“) beschrieben, da spottet einer über „den neuen Typ von meiner Ex“ oder bekennt sich dazu, dass er im Suff die Sau rausgelassen hat, sich aber leider an nichts mehr erinnern kann. Kurzum: Meine Lieder sind wie immer voller Emotionen, authentisch und gelegentlich auch ein wenig sarkastisch – so wie sich das für einen gehört, der den Mittelalter-Dichter Francois Villon zu seinen Vorbildern zählt.

Musikalisch bewegen sich die Stücke zwischen Countryrock, Chanson und Folk. Taatos Bläserarrangements bringen auch noch eine Prise Jazz mit ins Spiel. Und natürlich haben wir die Tracks allesamt live eingespielt. Für das letzte Stück "Vincent" haben Pete und ich nicht einmal eine Stunde Aufnahmezeit benötigt. Die Songs gehen allesamt direkt ins Ohr und animieren zum Mitsingen.

Damit auch die Verpackung stimmt, habe ich meinen Kollegen Franz Küpper für die Coverfotos engagiert. Es ist nicht leicht, einen alten Zausel wie mich gescheit abzulichten. Franz hat ein unfassbar geiles Foto geliefert, das von meine Freundin Silke Wippenbeck noch designtechnisch veredelt wurde.

So, und jetzt kann das Ding unter die Leute. Uff, geschafft!

 

 

 

Valentin ante portas

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